Mittwoch, 30. September 2009

Der ironische Moment

Bei H & M sah ich gestern einen schönen Kapuzenpullover und dachte daran, ihn zu kaufen. Der Preis war nämlich sehr ansprechend, zumal er doppelt ausgeschrieben war, in Pfund und in Euro (betreffender H & M war in Glasgow, genau ich wie ich gestern noch) und da das Pfund immer noch so schwach ist, stellte sich der Pullover als mehr als ein Schnäppchen heraus im Vergleich zum erwartbaren Preis in Deutschland.

Zum Anprobieren gings in die Kabine und just in dem Moment als ich den Pulli, den ich gerade trug auszog, ertönte der Refrain des Sterne-Liedes, das gerade auf meinen MP3-Player lief: "Billig, ich bin billig, ich bin billig, nimm mich mit." Ein Lied, das sagen wir mal, nicht gerade euphorisch in Bezug auf Konsum von Billigware gestimmt ist - der ironische Moment des Tages. Den Pullover habe ich trotzdem gekauft. (Paste: Richtiges Leben, falsches, Scheinwiderstand etc.)

Dienstag, 8. September 2009

Nazikommunisten

Der allwahlentliche Wahlomat hat mir diesmal ein wenig überraschendes (warum sollte er auch), aber auch kein wirklich eindeutiges Ergebnis beschert. Was bedeutet, dass mein Briefwahlzettel wohl noch einige Zeit hier liegen bleiben wird, während ich darüber meditiere, wen ich denn nun wählen soll.

Ein einziger Aspekt war dann doch interessant: Während auf dem letzten Platz meiner Übereinstimmungsrangliste nich unüberrasched CDU/CSU lagen, lag zwar ebenfalls abgeschlagen, aber noch vor der CDU - die NPD. Ich habe also mit den Aussagen der NPD mehr übereingestimmt als mit denen der CDU. Was wohl an dem Amt liegen muss, dass ich seit zwei Jahren offensichtlich bekleide.

Montag, 7. September 2009

The time is now

Viele Leute schreiben ja Blogs, wenn sie ins Ausland gehen oder Ferien machen und das ist ja auch eine schöne Sache, schließlich möchte man ja hören, wie es den Freunden und Verwandten so ergeht auf ihren Reisen. Der titelgebende Irrgarten war jedoch noch nie auf ein bestimmtes Land festgelegt und so habe ich hier schon von Anfang an klar gestellt, dass dieser Blog erbarmungslos weitergeführt wird, komme was wolle.

Was kam, war dann ab Januar ein Promotionsstudium in Island und der Blog stand leer, wie an der lächerlichen Unaktualität des vorherigen Posts zu erkennen ist. Ganz antizyklisch wie gewohnt, nimmt der Blog nun wieder genau dann Fahrt auf, wenn ich nach Deutschland zurückkomme, also: jetzt. Urlaubsblogs sind out - Heimatblogs rulen.

Dienstag, 4. November 2008

Zum Tag der Wahl

obamamccain

via Andrew Sullivan

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Die Eylandt Recherche

Gestern habe ich das erste Mal was gewonnen bei der Vor-Film-Verlosung in der Sneak. Ein Getränk. Ich entschied mich glücklicherweise für eine Cola, denn sonst hätte ich den ersten* Film wohl kaum durchgestanden: Die Eylandt Recherche. Es fällt mir ehrlich gesagt schwer, passende Worte darüber zu verlieren. Ein Pseudo-Dokumentarfilm, der wohl versucht, mit dem Zweifel der Zuschauer zu spielen, ob nicht doch was wahres dran ist. Ein New Yorker Rechtsanwalt beauftragt einen Privatdedektiv, aufgrund von alten Briefen seiner Nichte/Enkelin/whatever Nachforschungen anzustellen. Die Frau schrieb, sie habe drei Leute über mehrere Jahrzehnt in ihrem Keller versteckt. Es stellt sich heraus, die drei sind Aliens. Könnte lustig sein. Oder abgedreht. Oder auch spannend. Oder wasauchimmer. Ist er aber nicht.

Der Film ist so schlecht gemacht, dass ich mich mehrmals fragte, ob es eine Satire sein sollte. Aber selbst wenn wäre er nicht lustig gewesen. Wäre er einfach nur schlecht oder trashig gewesen, hätte ich mich ja auch noch amüsiert, nein, er war jedoch oft einfach schnarchlangweilig, z.B. wenn minutenlang aus dem Off erzählt wurde oder Experten befragt wurden, die ebenfalls nicht aufhören konnten, Dinge zu erzählen, die nichts zur Geschichte beitragen. Dazu kam die unerträgliche Musik, die gefühlt ein einziges Thema in schmalzigstem Orchesterton den ganzen Film über immer und immer wieder spielte.

Immerhin in einer Hinsicht war der Film anregend: Als eine Psychologin erzählte (auch das eine vielvielviel zu lange Szene...), warum Menschen theoretisch 60 Jahre in einem Keller überleben könnten (Das war einer der Momente, wo ich mich fragte, ob der Film nicht doch Satire ist). Ich bin nun wahrlich kein Experte auf dem Gebiet von Eigenheiten gesprochener Sprache (gegenüber geschriebener), aber das bisschen, was ich weiß, machte so deutlich, dass die Frau noch so oft "äh" sagen oder stocken konnte: Wenn sie nur in komplett vollständigen Sätzen redet, ohne Konstruktionsabbrüche, ohne Ellipsen, Wiederholungen von Wortern etc. - dann ist es einfach keine authentische gesprochene Sprache (sondern "konzeptionell schriftlich"). Man sollte ihren Monolog in sprachwissenschaftlichen Seminaren zu gesprochener Sprache daraufhin analysieren, was alles nicht da ist, was da sein sollte. Er wäre perfekt für einen Vergleich mit spontaner Sprache.

Nachtrag:
Beim Googeln stieß ich auf diese Rezension, die einfach alles sagt, was ich nicht ausdrücken konnte (nur den rechtschreibspießerischen Verweis auf den "fehlenden" Bindestrich...)

*Aus auch dem Kino unerfindlichen Gründen, hatten sie zwei Filme für die Sneak geliefert bekommen und freundlicherweise auch beide gezeigt. "Die Tränen meiner Mutter" war nicht so schlimm, wie der Titel vermuten lässt, sondern erstaunlicherweise gar nicht schlecht.

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Salon-Marxismus

Gestern brachte Stephen Colbert (nach einem herrlich pseudo-irritierten Joe Biden) einen wahrscheinlich (?) uralten Kalauer. Einen unglaublich behämmerten. Aber ich musste trotzdem schallend lachen.

"What does Karl Marx put on his pasta? Communist Manipesto!"

Montag, 13. Oktober 2008

Ein kleiner Schritt für mich...

...ein großer Schritt für meine Abschlussarbeit. Gestern habe ich mich mal (reichlich spät) Formatfragen wie Seitenrändern zugewandt, da die mir, so wie sie waren, doch etwas knapp bemessen schienen. Schließlich wollen da noch Leute auf den Rändern herumkritzeln und Dinge anstreichen. Da auf den relevanten Formblättern nichts wirklich erhellendes drauf stand außer "mit Betreuer absprechen" habe ich mich an der MA eines Freundes orientiert, die ich mal korrekturgelesen hatte und somit noch in elektronischen Format vorhanden war. (Wer misst schon gerne per Hand nach.)

Und siehe da: Es waren 3 cm an jeder Seite. Ziemlich üppig, aber wenn's so sein soll, dann soll es wohl so sein. Angewandt auf meine Arbeit ergab das...schlappe fünf Seiten mehr. Fünf Seiten, dank derer ich jetzt schon über die Hälfte (der Mindestseitenzahl) hinweg bin. So schreibt es sich doch gleich entspannter. Hoffen wir nur, dass mich das nicht zu sehr in Sicherheit wiegt...

Montag, 6. Oktober 2008

"Drohender Volksbankrott"

Mir fehlen die Worte. Während die USA ihr Riesenpaket zur Rettung des Finanzsektors angeschoben haben und in der Europäischen Union auch einiges in Bewegung zu sein scheint, wurden heute auf Island die ganz harten Instrumente ausgepackt. Es hieß, der Ministerpräsident würde sich um vier isl. Zeit (sechs bei uns) in einer Ansprache ans Volk wenden, das tat er dann auch auf allen Kanälen (wen's interessiert, hier ist die Rede nach einigem Warten zu sehen).

Darin spricht er über die schwere Krise der isländischen Banken, die das ganze Land mit sich zu reißen drohe. Werde nichts unternommen, so drohe (wörtlich) ein "Volksbankrott". Ein Gesetzespaket wird angekündigt, das Parlament kommt direkt im Anschluss zu einer Sondersitzung zusammen. Niemand weiß genau, was in dem Gesetz steht, nur Andeutungen stehen im Raum. Der Entwurf, der schließlich verteilt wird, hat es in sich: Der Staat, die Finanzaufsicht und die Notenbank bekommen nach diesem Gesetz quasi uneingeschränkte Vollmacht über den Finanzsektor. Der Staat darf nach Ermessen Banken übernehmen, gründen und über sie verfügen. Es werde schon morgen absehbar sein, wie sehr von diesen Vollmachten Gebrauch gemacht werde.

Der Ministerpräsident sparte nicht mit düsteren Worten (neben den üblichen "unsere Wirtschaft, unser Land, unser Volk sind stark"-Sachen) und es ist klar, dass im bisher völlig deregulierten Island, in dem jeder eine unglaubliche Kredilast trägt, nicht viel mehr so sein wird, wie es mal war. Die drei größten isländischen Banken, die im Grunde viel zu groß sind für so ein kleines Land, haben ein Volumen, das acht Mal größer ist als das Bruttosozialprodukt von Island. Wenn die Pleite gehen, ist schlichtweg game over. Da die Banken in den letzten Jahren in einem unglaublichen Feldzug auf den ausländischen Markt geströmt waren und das meiste davon auf Pump in ausländischer Währung finanziert haben (es gibt einfach nicht genug isländische Kronen), haben sie jetzt angesichts einer Währung, die noch gut halb so viel wert ist wie vor einem Jahr, mehr Probleme denn je, diese Kredite zurückzuzahlen. Eine Bank wurde schon vor ein paar Tagen zu 75% vom Staat übernommen (was manche für einen Grund für die weitere dramatische Entwicklung halten, da die Märkte sowohl das Vertrauen in die isl. Banken wie auch in den isl. Staat verloren), was mit den anderen passiert, ist noch unklar. Bis zu diesen Eingriffen schien (soweit ich das von hier außen beurteilen kann) die Regierung weitgehend paralysiert, man hörte nichts über etwaige Maßnahmen. Der einzige, der auf seine ganz spezielle Art handelte, war der Chef der Notenbank, der zuvor 13 Jahre lang Ministerpräsident gewesen war. Soviel zur unabhängigen Zentralbank. Ob sich die Isländer irgendwann mal zu einer anständigen Analyse ihrer Politik der letzten Jahre und speziell des Krisenmanagements dieser Tage aufraffen können? Wer sollte es sonst tun, aber ich bezweifle mit Verlaub, dass für tiefergehende Analysen die Ressourcen (welcher Art sei hier verschwiegen) dafür vorhanden sind.

Vielleicht blogge ich morgen mal etwas zusammenhängender über die Hintergründe, zumindest was mir über die Entfernung hinweg mit meinem geringen ökonomischen Wissen bisher zugetragen worden ist. Jetzt gehe ich erstmal konsterniert ins Bett.

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